Buntes Tintenfässchen

Svenjas & Kathas Bookchallenge

[Rezension] "Dein Lächeln in diesen verdammten Tagen" (Katie McGarry)

Titel:

Dein Lächeln in diesen verdammten Tagen

Autor:

Katie McGarry

Genre:

Jugendromane

Verlag:

Oetinger

Erscheinungsjahr:

2018

Format:

Klappenbroschur

Seiten:

416

ISBN:

978-3-8415-0511-8

Inhalt

Je höher man auf der sozialen Leiter steht, desto tiefer ist der Fall - und desto schmerzhafter ist die Landung. Diese Erfahrung hat auch Echo Emerson gemacht, als sie innerhalb kürzester Zeit von einem der beliebtesten Mädchen zur Außenseiterin wurde, über die sich alle die Mäuler zerreißen. Doch das ist nur das geringste von Echos Problemen.
Noah ist nur einer von vielen, die sich fragen, was mit Echo passiert ist. Keiner weiß, was zu ihrem Verschwinden und ihrem plötzlichen Beliebtheitsverlust geführt hat. Vor diesem Ereignis hätte jemand wie Echo niemals mit jemandem wie Noah gesprochen, dem schon immer das Label "Problemkind" anhaftet. Nun aber verbindet sie ein gemeinsames Ziel: Beide brauchen die Akten ihrer Schultherapeutin. Und möglicherweise ist das nicht das Einzige, bei dem sie sich gegenseitig helfen können.

So gefällt mir das Cover

Das Buch ist optisch super gelungen. Ich liebe die verwendeten Farben (da könnte man sicher viel reininterpretieren) und die Anordnung der Elemente. Mich hat es zumindest gleich magisch angezogen.

Meine Meinung

Es ist immer ein sehr gutes Zeichen, wenn man sich auf den ersten Seiten schon mehrfach nicht eines Grinsens erwähren kann. Dadurch wusste ich sofort, dass ich sowohl den Schreibstil von Katie McGarry toll finde als auch Echos Denkweise. Die Narration hat - besonders am Anfang - eine wunderbar sarkastische Färbung. Genau genommen trieft er aus jedem dritten Satz, womit man bei mir immer punkten kann.
Der Beginn liefert gleich eine Fülle von Informationen zur weiblichen Protagonistin, angefangen bei ihrem angespannten Verhältnis zu ihrem Vater und ihrer Stiefmutter, ihrer Trauer um ihren verstorbenen Bruder Aires (die Namenswahl von McGarry ist wirklich klasse!) über die Art von Mensch, die Echo einst war und die sie jetzt ist, bis hin zu den Gedächtnislücken, die sie aufgrund traumatischer Ereignisse hat und deretwegen sie in Therapie ist. Trotzdem nimmt die Autorin nicht gleich zu viel vorweg und hat damit meine Neugier entfacht. McGarry hat so, zumindest für mein Dafürhalten, die perfekte Basis für eine parasoziale Beziehung zu Echo gebildet. Im Laufe des Romans habe ich eine Person kennengelernt, die sich ihre eigene Meinung bildet, verzeihen kann und Menschen eine Chance gibt, die von anderen bereits abgeschrieben wurden, die witzig und melancholisch, sanftmütig und aufbrausend sowie verletztlich und stark sein kann. Das macht sie zu einem komplexen, plastischen Charakter, der der Geschichte Leben einhaucht. Zwar habe ich ihr Verhalten und ihre Entscheidungen nicht immer gutgeheißen, aber ich konnte ihre Wut, ihre Unsicherheiten, ihre Trauer, eigentlich die gesamte Palette ihrer Emotionen, sehr gut nachvollziehen.
Der zweite Ich-Erzähler ist Noah, der (wie könnte es auch anders sein?) das Klischee des missverstandenen, mysteriösen Troublemakers erfüllt, dessen düstere Aura einen sowohl abschreckt als auch magisch anzieht. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich von diesem Schema immer weniger angetan bin, einfach, weil es inzwischen viel zu häufig Einzug in Romane hält. Es ist aber auch noch nicht so, dass sich mir die Nackenhaare aufstellen, sobald es mir in einer Geschichte begegnet. (Außerdem kann ich mich nicht wirklich darüber aufregen, schließlich zwingt mich keiner dazu, diese Bücher zu lesen.) Wie es in den meisten Fällen ist, steckt auch bei Noah unter der harten Schale ein weicher Kern. Je näher Echo und er sich gekommen sind, desto mehr ist er in meinen Augen zum Softie mutiert, auch wenn mir zum Glück schwülstige Liebensbekundungen erspart geblieben sind. Für meinen Geschmack wirkte er ein bisschen zu sehr auf Echo fixiert bzw. schienen sich seine Gedanken fast nur noch um sie zu drehen. Ich hatte fast schon das Gefühl, als wäre er einzig allein dazu da, um Echos Ego wieder aufzubauen. Für meinen Geschmack hat er auch ein paar mal zu häufig erwähnt, wie sexy sie ist. Ich verstehe zwar, dass es wichtig ist, zu vermitteln, dass auch Menschen mit auffälligen Narben noch schön sind, aber es war auf Dauer nervtötend. Wesentlich mehr hat mich an ihm eigentlich seine eigene Familiensituation interessiert, denn die ist ebenso konfliktreich und dramatisch wie die von Echo. Daher hätte ich mir gewünscht, dass das Potenzial ein bisschen mehr ausgeschöpft worden wäre.
Im Großen und Ganzen kann ich mich aber nicht über die Ereigniskette und die Erzählweise beklagen. McGarry hat durch das bewusste Vorenthalten der Informationen, was Echo zugestoßen ist, bis zur Auflösung Spannung erzeugt. Die hat mich übrigens auch nicht enttäuscht. Allerdings hat man den Spannungsabfall danach recht deutlich beim Lesen gemerkt. Statt einen abrupten Cut zu machen, hat sich McGarry Zeit genommen, die Geschichte (vernünftig) auslaufen zu lassen. Man wird also nicht im Regen stehen gelassen, was ich persönlich sehr begrüße.

Lieblings Zitate

""Ein neues Jahr, ein neuer Anfang - wie ein frisches weißes Blatt Papier." Ohne eine Antwort abzuwarten, fuhr sie fort. "Wie gefallen Ihnen meine Vorhänge? Hab sie selbst genäht!" Mein Vater, meine Stiefmutter Ashley und ich drehten wie auf Kommando den Kopf zu den rosa getupften Vorhängen, die die Fenster zum Schülerparkplatz zierten. Auf mich wirkten sie wie Unsere kleine Farm auf Ecstasy. Keiner von uns sagte etwas." (S. 5-6)

"Ashley trommelte mit den Fingern auf ihren schwangeren Bauch, während ich aus schierer Verzweiflung die selbst bemalten Tafeln mit Sinnsprüchen an der Wand las. Dein einziger Freund bist du selbst. Nach oben kommt man nur, wenn man nicht nach unten sieht. Erfolg ist eine Frage des Glaubens. Fischer, die als Floßfahrer auf Flussflößen auf Floßflüssen fahren, sind fischende Floßflussflussfloßfahrer. Zugegeben, der letzte war nicht gerade ein Kandidat fürs Poesiealbum, aber der war zumindest ansatzweise amüsant." (S. 6)

""Ich bin keine Sozialarbeiterin, ich bin Therapeutin." - "Ist doch dasselbe." - "Ist es nicht. Ich war viel länger auf der Uni." - "Wie schön für Sie."" (S. 20)

"Na toll. Sie hätte mich auch warnen können, bevor wir in die Cafeteria segelten. Ach, warum nur konnte Lila, die gute Fee, nicht mit ihrem Zauberstab herumwedeln und machen, dass alle im Feenland mich liebten?" (S. 216)

"Vielleicht konnte ich ja die Königin der Durchgeknallten werden, die Regentin über alle emotional verkorksten Menschen." (S. 217)

"Nun, falls er mich wirklich nur benutzt hatte, dann störte es mich nicht. Dann ergaben eben zwei Fehler einen Volltreffer." (S. 217)

"Meine Selbstkontrolle hing nur noch an einem hauchdünnen Faden. Er riss so laut und deutlich, dass ich glaubte, alle müssten es gehört haben." (S. 289)

Mein Fazit

Dein Lächeln in diesen verdammten Tagen hat mir einen fantastischen ersten Eindruck vermittelt, da Schreibstil und Protagonistin bei mir voll ins Schwarze getroffen haben. Dieser Eindruck hat sich auch im weiteren Verlauf bestätigt, wenngleich meine Begeisterung minimal nachgelassen hat, nachdem der erste "Rausch" verflogen war. Das lag teils an klischeehaften Personendarstellungen und (in meinen Augen) unzureichenden Ausführungen, was Noahs Familiengeschichte betrifft, teils auch daran, dass der Roman bisweilen etwas ins Kitschig-Schmalzige abgedriftet ist, was mir persönlich nicht wirklich gefällt. Trotzdem ist es ein toller, emotionsgeladener Jugendroman, den ich auch für andere Fans des Genres kaufen würde!