Buntes Tintenfässchen

Svenjas & Kathas Bookchallenge

[Rezension] "Die Vereinten" (Caroline Brinkmann)

Titel:

Die Vereinten

Autor:

Caroline Brinkmann

Genre:

Dystopien

Verlag:

One

Erscheinungsjahr:

2018

Format:

E-Book

Seiten:

461

ISBN:

978-3-8466-0067-2

Inhalt

So manches ist passiert, seit dem Tag, an dem sich Rain und Lark das erste Mal gegenüberstanden. Grausames, Schreckliches, Schmerzhaftes. Die Rebellion der Spines hat ihre Opfer gefordert - und sie tut es noch. Im Kampf um die Vorherrschaft in Hope stehen Lark und Rain auf gegnerischen Seiten. Doch es gibt noch eine dritte Partei. Eine unbekannte Macht, die sie alle zerstören kann. Sie wird das Ende bringen. Wer wird siegen, wer verlieren? Wer wird sterben, wer überleben?

So gefällt mir das Cover

Das Cover gefällt mir dahingehend, dass ich die kräftigen Farben mag und das Layout des Vorgängerbandes aufgegriffen wurde, um Zusammengehörigkeit zu demonstrieren. Ich finde es allerdings etwas schade, wie stark gephotoshopt das (ohne Frage hübsche) Model aussieht. Mir ist bewusst, dass in Hope, speziell in Aventin, Perfektion an oberster Stelle steht, aber ich es sieht einfach so unnatürlich aus.

Meine Meinung

Der Wiedereinstieg in Die Vereinten (Die Perfekten #2) verlief ohne Probleme. Die vergangenen Ereignisse waren mir noch recht frisch im Gedächtnis, zum einen, weil seit der Veröffentlichung von Band 1 noch nicht allzu viel Zeit vergangen ist. Zum anderen, weil der Auftakt einen sehr bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hat. Letztgenanntes hat natürlich bei mir auch entsprechend hohe Erwartungen an die Fortsetzung geweckt. Caroline Brinkmann hat in sprach- bzw. schriftlicher Hinsicht nicht enttäuscht. Sie schreibt wahnsinnig toll, lässt durch wohldosierte dramatische Steigerungen Spannung aufkommen und weiß dadurch zu packen. Zudem beweist sie viel Einfallsreichtum. Nicht nur bei der Konzipierung ihrer Welt, sondern auch bei der Entwicklung des Handlungsstrangs. Schon im ersten Teil Die Perfekten gab es eine Fülle an unvorhersehbarer Wendungen und Enthüllungen; Die Vereinten steht dem in nichts nach. Verräter, Rebellen und eine ganz neu eingeführte "Gruppierung" sorgen für Abwechslung, Action, Schockmomente und (unliebsame) Überraschungen. Besonders in der zweiten Hälfte wurde ich als Leserin in Atem gehalten. Genau diese Aspekte machen Die Vereinten bzw. die Dilogie so toll.
Und dennoch hat Die Vereinten im Vergleich zum Vorgänger letztlich einen geringeren Sog auf mich ausgeübt. Es mag einfach daran liegen, dass der Rausch des Neuen, den der Erstkontakt mit einer unbekannten Welt mit sich bringt, bereits verflogen ist. Oder es liegt daran, dass manche Dinge in meinen Augen einfach zu oberflächlich gehandhabt wurden. Ich bin einfach der Meinung, dass bei einer so komplexen, vielfältigen Welt Potenzial verschenkt ist, wenn man sich nicht eingehender mit den außergewöhnlichen Bezirken (oder den Chimären) beschäftigt. Es geht primär um Aventin oder Grey, alle anderen Bezirke werden höchstens am Rande erwähnt. Das war einfach schade, denn ich hatte mich schon darauf gefreut, die übrigen Teile kennenzulernen. Ich glaube allerdings, dass Caroline Brinkmann Stapelweise Notizen zu diesen Gebieten hat, weshalb ich inständig hoffe, dass es in naher Zukunft eine Art Spin-Off in derselben Welt geben wird. Es gibt einfach noch so viel zu entdecken!
Eine ähnliche Meinung habe ich auch bzgl. der Nebencharaktere: Über Nife, Morpheus, Cassian, Wren & Co. hätte es noch so viel mehr zu erzählen gegeben. Ich bin mir selbstverständlich bewusst, dass man sich als Autor auf einige Charaktere beschränken muss, um sich nicht zu verzetteln und nicht zu sehr von der eigentlichen Handlung abzudriften, aber dadurch fiel es mir sehr schwer, irgendein Gefühl für sie zu entwickeln. Nife ist hier die einzige Ausnahme: Ihn habe ich schon im ersten Teil ins Herz geschlossen. Insgeheim hatte ich ja auf eine Romanze zwischen ihm und Rain gehofft, die aber nun mal Gefühle für Lark hat. Was mich auch gleich zum nächsten Punkt bringt: Ich finde zwar schon, dass Lark und Rain eine gewisse Chemie haben, aber bei ihrer Beziehung fehlt mir das gewisse Extra. Ja, es wird immer von Herzklopfen, Liebe und Sehnsucht gesprochen, aber diese Gefühle haben sich nicht auf mich übertragen. Außerdem wäre es mal eine nette Abwechslung gewesen, wenn nicht die beiden aus (zwischenzeitlich) oppositionellen Lagern das Liebespärchen gebildet hätten.

Mein Fazit

Caroline Brinkmanns Stärken als Schriftstellerin sind definitiv ihr Ideenreichtum in puncto Weltentwurf und Handlungsverlauf sowie ihre Fähigkeit, mit Worten Spannung zu kreieren. Das ist das A und O im Dystopie-Genre - Caroline Brinkmann gehört also genau dort hin! Verbesserungsbedarf besteht aus meiner Sicht in der Ausschmückung: Manche Aspekte (z.B. die Chimären und einige Nebencharaktere) empfand ich als bloßes Beiwerk, das gelegentlich Erwähnung fanden, und auch in die anderen Bezirke hätte ich gerne mehr Einblicke gewährt bekommen. Ich glaube nicht, dass mangelndes Material die Ursache dafür ist, sondern reiner Platzmangel. Hier wäre ich einem Spin-Off definitiv nicht abgeneigt!