Buntes Tintenfässchen

Svenjas & Kathas Bookchallenge

[Rezension] "Weihnachten auf der Lindwurmfeste" (Walter Moers)

Titel:

Weihnachten auf der Lindwurmfeste

Autor:

Walter Moers

Genre:

Fantasy

Verlag:

Penguin Verlag

Erscheinungsjahr:

2018

Format:

Hardcover

Seiten:

112

ISBN:

978-3-328-60071-8

Inhalt

Ein Brief des großen zamonischen Dichters Hildegunst von Mythenmetz an den Eydeeten Hachmed Ben Kibitzer offenbart dem Übersetzer Walter Moers Erstaunliches über eine zamonische Tradition, die faszinierende Ähnlichkeiten mit unserem Weihnachtsfest hat. Jedes Jahr begehen die Lindwürmer auf der Lindwurmfeste das sogenannte "Hamoulimepp", ein dreitägiges Spektakel, mit dem vielerlei Bräuche verbunden sind. Das Fest steht ganz im Zeichen der zamonischen Sagengestalten "Hamouli" und "Mepp", die an Weihnachtsmann und Knecht Ruprecht erinnern. Auch ganz besondere Speisen wie die ungenießbare Trilobitensuppe, das Dichten auf Schneckenhäusern und das Basteln von Schuppenpuppen gehören zu "Hamoulimepp", einem Fest, von dem Hildegunst von Mythenmetz nicht besonders viel hält...

So gefällt mir das Cover

Das Cover ist, ebenso wie die gesamte Aufmachung des Buches, sehr hochwertig und wunderschön gestaltet. An die Zeichnungen von Lydia Rode habe ich mich seit "Prinzessin Dylia" gewöhnt und finde sie mittlerweile ebenso besonders und außergewöhnlich wie Moers´ Geschichten. Ein echter Hingucker.

Meine Meinung

Ein neues Buch von Walter Moers schreit geradezu danach, gelesen zu werden. Noch dazu passt "Weihnachten auf der Lindwurmfeste" perfekt in die Vorweihnachtszeit, auch wenn in diesem Büchlein alles andere als eine festliche Stimmung vorherrscht. Aber erst einmal möchte ich ein paar Worte zur fantastischen Gestaltung des Buches sagen: Nicht nur das Cover, sondern jede einzelne Seite ist ein kleines Kunstwerk. Die Illustrationen sind schräg und ausgefallen, wie man das von Walter Moers beziehungsweise seit "Prinzessin Dylia" auch von Lydia Rode, kennt und die Geschichte selbst, bei der es sich ja um einen Brief des erfolgreichen zamonischen Dichters Hildegunst von Mythenmetz (man kennt ihn vor allem aus seinem autobiografischen Roman "Die Stadt der träumenden Bücher") an seinen Freund Hachmed Ben Kibitzer handelt, ist passend dazu in Briefform abgedruckt und sensationell in Szene gesetzt. Man soll Bücher ja nicht nach ihrem Äußeren beurteilen, aber bei den Werken von Walter Moers wäre das ein Fehler, weil Text und Gestaltung bei ihm stets ineinander fließen und sich perfekt ergänzen. Moers-Fans kommen bei "Weihnachten auf der Lindwurmfeste" also voll auf ihre Kosten, was das Lesegfühl betrifft.

 

Nun zum Inhalt: Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Auf den ersten Seiten sind noch einmal wichtige Figuren und Schauplätze aus Zamonien abgebildet und kurz erläutert, was ich als Auffrischung ganz nett fand. Darauf folgen ein ebenfalls ziemlich amüsantes Vorwort von Walter Moers, der sich selbst als Übersetzer von Hildegunst von Mythenmetz bezeichnet, und schließlich der Brief, der circa 50 Seiten umfasst und von sogenannten taxonomischen Tafeln abgeschlossen wird - ein etwas ausgefallenes Glossar, in dem man ziemlich witzige und skurrile Illustrationen zu den genannten Bräuchen, Gegenständen und Gerichten findet. Die Geschichte selbst wird also auf ziemlich spektakuläre Weise eingerahmt und untermalt, was mir richtig gut gefallen hat.

 

Und was erzählt Hildegunst von Mythenmetz seinem Freund, dem Eydeeten Hachmed Ben Kibitzer, in diesem Brief? Er schildert umfassend die Bräuche und Traditionen rundum "Hamoulimepp", ein dreitägiges Fest, das jedes Jahr von Lindwürmern auf der Lindwurmfeste begangen wird. Auch wenn Moers beziehungsweise von Mythenmetz ziemlich abgefahrene Metaphern verwendet und diese zamonische Tradition selbstverständlich gespickt ist mit allerlei Kuriositäten und Sachverhalten, die einen unweigerlich schmunzeln lassen (ich sag nur: Hamoulimeppwürmer und Hamoulimeppwurmzwerge, Gerichte, die mich haben schaudern lassen, und Musik, die laut den Beschreibungen von Hildegunst von Mythenmetz Trommelfelle zum Bluten bringt), sind die Parallelen zum Weihnachtsfest erstaunlich. Beziehungsweise liest man recht schnell heraus, was der Verfasser (und ich hüte mich davor, Walter Moers in diesem Fall als Autoren zu nennen) von all dem Kommerziellen, von dem Gewese, das heutzutage um Weihnachten gemacht wird, hält.

 

Auch wenn es in "Weihnachten auf der Lindwurmfeste" natürlich um ein fiktives Fest geht, hat mich das Buch nachdenklich gestimmt. Brauchen wir all das Tamtam eigentlich wirklich? Machen wir uns nicht manchmal wirklich lächerlich? Oder ist Hildegunst ein verbohrter Griesgram, weil er seinen Landsleuten den Spaß und die Begeisterung für "Hamoulimepp" missgönnt? Muss man eigentlich immer alles schlecht reden? Für mich ist dieses neueste Werk von Walter Moers ganz klar eine Allegorie auf unser Weihnachtsfest und als solche finde ich es wirklich gut, weil uns die Geschichte einmal mehr ins fantastische Zamonien entführt und uns tiefere Einblicke in die Kultur der Lindwürmer gewährt, auf einer anderen Bedeutungsebene aber gleichzeitig auch das Verhalten der Menschen reflektiert. Und genau das zeigt mir wieder einmal, welch ein Genie Walter Moers eigentlich ist. Ich meine, in Sachen Witz, Einfallsreichtum und Kuriositäten macht Walter Moers niemand etwas vor.

 

Das Buch hat für mich nur einen einzigen kleinen Minuspunkt: Es hätte für meinen Geschmack auf jeden Fall noch umfangreicher sein können. Ich hatte das Gefühl, dass Hildegunst von Mythenmetz in Bezug auf "Hamoulimepp" doch ziemlich an der Oberfläche kratzt, zumal dank der berühmtberüchtigten Mythenmetzschen Abschweifung gefühlt weniger zur Tradition selbst erzählt wird, als ich es erwartet hatte. Nichtsdestotrotz: Dieses Buch ist einfach wunderschön und es schafft den Bogen zwischen Fantasy und Realität auf eine wirkliche geniale Art und Weise.

Mein Fazit

"Weihnachten auf der Lindwurmfeste" ist genauso schräg, genauso skurril und fantastisch wie alle anderen Zamonien-Romane von Walter Moers auch. Ich liebe die sensationelle Gestaltung des Buches und Walter Moers´ abgefahrene Ideen, die mich aufs Neue erstaunt und begeistert haben. Für meinen Geschmack hätte es zwar ruhig ein bisschen mehr Geschichte, hätten es noch mehr Details sein dürfen, aber insgesamt ist dieses Buch wie seine Vorgänger auch ein echtes Kleinod und ganz bestimmt ein Muss für jeden Moers-Fan. Nicht zu vergessen die geheimnisvolle Leseprobe im Anhang...